Recht auf Reparatur von Elektrogeräten


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Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt fordert die Elektrogerätehersteller heraus. Sie will ein europaweites, gesetzlich verankertes „Recht auf Reparatur“ von Elektrogeräten durchsetzen. Im Klartext heißt es, die Hersteller werden verpflichtet die Ersatzteile anzubieten und die Reparaturanleitungen zu veröffentlichen. Des Weiteren fordert sie auch Mindestfristen für Sicherheitsupdates der internetbasierten Geräte.

Eigentlich eine sehr gute Idee. Ist sie aber umsetzbar?


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Teure und fehlende Ersatzteile

Oft ist es ein kleiner Defekt, der schnell behoben werden könnte, wenn man die nötigen Ersatzteile zur Verfügung hätte. Diese, wenn überhaupt, werden aber von den Herstellern zu Wucherpreisen angeboten. Ich erinnere mich noch an die 20 Jahre alte Waschmaschine meiner Nachbarn. Sie funktionierte einwandfrei und zuverlässig. Lediglich zeigte die Türmanschette mit der Zeit die Verschleißspuren und war gerissen. Die Nachbarn, ein älteres Pärchen, waren mit den Funktionen der Waschmashine schon jahrelang vertraut und wollten, der für sie kompliezierten, digitalen Technik wegen keine neue anschaffen. Also habe ich mich im Internet auf die Ersatzteilsuche begeben.

Der Hersteller verlangte für das runde Gummiteil 150,- € + Versand. Den hohen Preis hat man mit der zur Herstellung nötigen Umstellung der Produktionsanlage begründet. Also entschieden sich die Nachbarn doch zum Kauf einer neuen Waschmashine für 199,- €.

Neukauf statt Upgrade

Was bei Computern oder Smartphones selbstverständlich scheint, ist es bei anderen medialen Geräten wie DVD-/BluRay-Playern, Fernsehern, MP3-Playern etc.nicht möglich. Die Rede ist von einem Softwareupgrade. Nicht zu Verwechseln mit einem Update, wo die vorhandene Software nur aktualisiert aber keine neuen Funktionen hinzugefügt oder erweitert werden.

Möchte man einen vor ein paar Jahren gekauften Rechner mit vorinstalliertem Windows 7 auf Windows 8 oder 10 upgraden, kein Problem. Wenn die Hardware die Mindestvoraussetzungen erfüllt. Alte Android- oder App-Version auf dem Smartphone? Ein Upgrade auf die neuste Version reicht.

Bei vielen Geräten sind aber Upgrades nicht möglich, da diese von den Herstellern gar nicht angeboten werden. Nicht selten liegen die Unterschiede der Modelle einer Geräte-Serie nur in der Software bzw. Firmware. Hardwareseitig sind die Geräte identisch und entstammen der gleichen Produktionslinie. Erst vor der Auslieferung, je nach Anfrage, werden sie softwerseitig mit den entsprechenden Features und einem Preisschild ausgestattet. Wer mehr bezahlt, bekommt das gleiche Gerät wie in der niedrigen Preisklasse. Es kann aber dank der Software einiges mehr als sein kleiner Bruder. So werden zum Beispiel zusätzliche Formate unterstützt, erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt, Funktionen ergänzt.

Warum ist es also nicht möglich ein Gerät vom Model A zum Model B upzugraden? Die Antwort ist ganz einfach. Um ein lukratives Geschäft zu machen, müssten die Hersteller die Firmware und Software lizenzieren und an den Endkunden verkaufen. Die Lizenz-Überprüfung ist aber bei einem nicht internetfähigen Gerät schwierig. Obwohl es mit einem Aktivierungscode wie bei einer Computer-Software möglich wäre. Durch den fortschreitenden Einzug vom Internet der Dinge (IoT) ist es auch realisierbar. Dafür braucht man aber natürlich wieder ein neues Gerät und das Umdenken der Hersteller im Bezug auf die Vermarktung.

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Wegwerfverhalten eindämmen

Frau Göring-Eckardt verfolgt mit ihrem Vorschlag das Ziel, das Wegwerfverhalten und die Geräteneuanschaffung in der Gesellschaft mit günstigen Reparaturkosten einzudämmen. Dem Geldbeutel der Kunden und der Umwelt zuliebe. Alles schön und gut. Ob die Hersteller und die Macht des Kapitals dieses Gesetz durchsetzen lassen ist aber fraglich. Eher verliert Frau Göring-Eckhardt ihren Job als Grünen-Fraktionschefin. Es entspricht nicht dem heutigen Geschäftskonzept. Die Hersteller wollen natürlich so viel wie möglich an Neugeräten verkaufen und damit ihren Umsatz steigern. Eine Reparatur ist ihrerseits nicht erwünscht und geschäftschädigend. Das tun sie sogar seit Jahren angeblich mit fiesen Tricks, die das Lebensdauer der Geräte verkürzen und die Kunden zum ungewollten Neukauf zwingen. Stichwort „Geplante Obsoleszenz“. Zu diesem Thema entstand auch die Seite murks-nein-danke.de die über diese Machenschaften der Industrie berichtet und den Endverbrauchern eine Platform zum Frustablassen bietet.

Rückblick

Bis in die 80-er Jahre war es zum Beispiel bei den meisten TV-Geräteherstellern üblich neben der Bedienungsanleitug auch einen Schaltplan in den Lieferumfang beizufügen. Später wurde er aus den oben beschriebenen Gründen entfernt. Man kann heute nur noch mit mühsamer Suche (falls überhaupt vorhanden) einen Service Manual auf Seiten wie schaltungsdienst.de oder eServiceInfo.com finden. In gedruckter Form gegen Bezahlung oder kostenlos als PDF kann er dort bestellt oder heruntergeladen werden.


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Fazit

Benötigte man früher Elektonikkenntnise um das defekte Bauteil zu finden und zu ersetzen, weden heute ganze Module ausgetauscht für die nicht mal das Löten beherrscht werden muss. Es ist also, im Gegensatz der Herstellerbehauptung, die Reparatur ist komplizierter und teurer geworden, keine Schwierigkeit und hohe Wissenschaft das Gerät sogar selber zu reparieren. Die Wahrheit, die verschwiegen wird ist der viel zu niedrige Umsatz mit einem Reparaturdienst der Hersteller im Vergleich zur Produktion und dem Neuverkauf. Hinzu kommen die Kosten für das Ersatzteilelager, die Service-Techniker, Versand sowie die Reparaturgarantie.

Das Vorhaben der Frau Göring-Eckardt ist zwar logisch und vorstellbar nur leider utopisch.

Links

Grüne fordern „Recht auf Reparatur“ von Elektrogeräten

Geplante Obsoleszenz: Gerade gekauft und schon wieder hin?

Geräteverschleiß: Hersteller planen die Lebensdauer von Produkten


 

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